Sicherstellung ausreichender Kapital- und Liquiditätspuffer für Einlageninstitute und Bausparkassen. Umsetzung des Capital Requirements Regulation (CRR) und Capital Requirements Directive (CRD)-Rahmenwerks in britisches Recht (Basel 3.1 UK ab 2025).
Aufsicht über ~350 Erst- und Rückversicherer unter Solvency UK. Beurteilung von Solvabilität, Reservierung und Matching Adjustment. Eigenständige Kalibrierung nach Brexit-Divergenz von Solvency II.
Beitrag zur Finanzstabilität in enger Abstimmung mit dem FPC. Durchführung des Annual Cyclical Scenario (ACS) und Biennial Exploratory Scenario (BES) Stresstests. Resolution-Planung für systemrelevante Firmen.
Sekundäres Ziel: Förderung effektiven Wettbewerbs im Interesse von Verbrauchern und Unternehmen. "Strong & Simple"-Rahmen für kleinere Banken. Keine Überregulierung zulasten der Marktdynamik.
Das Financial Services and Markets Act (FSMA) 2023 verankerte ein drittes Ziel: Beitrag zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit und langfristigem Wachstum der britischen Wirtschaft. Die PRA muss dieses Ziel bei Regelsetzung und Aufsicht berücksichtigen – ohne die Primärziele zu kompromittieren. Kritiker sehen Spannungspotenzial zwischen Stabilitätsorientierung und Wachstumsförderung.
Der SWES ist eine Innovation der BoE: Er simuliert nicht nur Banken, sondern das gesamte Finanzsystem – inklusive Non-Banks, Hedgefonds, Versicherer. Ziel ist das Verständnis von Ansteckungskanälen und Liquiditätsprozyklizität (Amplification durch Non-Bank Financial Intermediation (NBFI)). Das SWES 2023 identifizierte erhebliche Marginanruf-Amplifikation als systemisches Risiko.
Die PRA setzt auf Aufsehererfahrung und qualitative Beurteilung statt rein regelbasierter Checklisten. Supervisors entwickeln eine eigene Sicht auf Risiken – auch wenn Institute formal compliant sind.
Konsequenz: Erhöhte Anforderungen selbst bei formaler Compliance möglich (S166 Skilled Person Reviews).
Fokus auf zukünftige Risikoentstehung, nicht auf vergangene Verstöße. PRA bewertet Geschäftsmodell-Nachhaltigkeit, strategische Planung und Managementqualität.
Instrument: Supervisory Risk Assessment (SRA) mit Forward-Look auf 3–5 Jahre.
Permanente Überwachung statt periodischer Prüfungszyklen. Dedicated Supervisory Teams für bedeutende Institute, risikobasierte Ressourcenallokation.
Category 1–5 Klassifizierung nach systemischer Bedeutung und Risikograd.
| Kategorie | Beschreibung | Aufsichtsintensität | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Cat 1 | Systemrelevante Institute, höchste Komplexität | Hoch | HSBC, Barclays, Lloyds |
| Cat 2 | Bedeutende Institute, national relevant | Erhöht | Santander UK, Metro Bank |
| Cat 3 | Mittelgroße Institute, begrenzte Systemrelevanz | Mittel | Challenger Banks |
| Cat 4/5 | Kleinere Institute, SDDT-Kandidaten | Vereinfacht | Kleinstbanken, Spezialversicherer |
Das UK-Operational-Resilience-Regime und das EU Digital Operational Resilience Act (DORA) verfolgen ähnliche Ziele, unterscheiden sich aber erheblich: UK fokussiert auf IBS-Perspektive und breitere Resilienz (nicht nur ICT), DORA hingegen ist eng auf ICT-Risiken und Drittanbieter beschränkt. Dual-regulierte Gruppen mit EU- und UK-Aktivitäten müssen beide Frameworks parallel erfüllen.
Große Banken und Versicherungsgruppen unterliegen beiden Aufsehern gleichzeitig ("dual-regulated"). Die PRA ist "lead prudential regulator", die FCA "lead conduct regulator". Koordination erfolgt über Memoranda of Understanding (MoUs), gemeinsame Gremien und informelle Konsultation. In der Praxis entstehen Spannungen bei Themen wie:
Das Senior Managers and Certification Regime (SM&CR) gilt als internationales Vorbild für individuelle Verantwortlichkeit in Finanzinstituten. Australien (BEAR/FAR), Irland (SEAR), Singapur und Hong Kong haben ähnliche Regime eingeführt. Die EU diskutiert vergleichbare Accountability-Frameworks im Rahmen der CRD VI.
| Thema | UK (PRA) | EU (EBA/ECB) |
|---|---|---|
| Basel 3.1 Output Floor | Abweichende Kalibrierung Mortgages | CRR3 – striktere Umsetzung |
| Solvency | Solvency UK – liberaler MA | Solvency II – konservativerer Ansatz |
| Kleinbank-Regime | Strong & Simple SDDT | SREP-Proportionalität weniger formal |
| Wachstumsziel | Drittes Regulatory Objective | Kein explizites Wachstumsziel |
Das US-amerikanische Supervisory Guidance on Model Risk Management (SR 11-7) der Federal Reserve (Fed) und des Office of the Comptroller of the Currency (OCC) aus 2011 gilt als globaler Referenzstandard. SS1/23 orientiert sich stark daran, geht aber in Bereichen KI-Governance und Third-Party-Model-Risk über SR 11-7 hinaus. SS1/23 ist rechtlich bindende Expectation, SR 11-7 Guidance – unterschiedliche Durchsetzungsstärke.
UK-Tochtergesellschaften von EU-Gruppen unterliegen vollständig dem PRA-Regime – ohne Äquivalenzanerkennung. EU-Recht gilt nicht mehr. Das bedeutet separate ICAAP/ILAAP, separate SM&CR-Registrierungen, eigene Pillar-3-Disclosures und potenziell andere Kapitalanforderungen als bei der EU-Muttergesellschaft. Post-Brexit-Compliance-Aufwand ist erheblich und wird regelmäßig unterschätzt.